In der Kamera-Rolle des Smartphones befindet sich eine überraschend detaillierte Aufzeichnung aller jemals besuchten Orte. Jedes mit der Smartphone-Kamera aufgenommene Foto stempelt das Bild still mit den genauen GPS-Koordinaten, dem Datum, der Uhrzeit und sogar der Höhe. Die meisten Menschen schauen sich diese Daten nie an. Aber wenn man weiß, wie man sie extrahiert, kann man eine vollständige Reisekarte erstellen, ohne jemals manuell eine einzige Reise protokolliert zu haben.
Jedes digitale Foto enthält einen unsichtbaren Datenblock namens EXIF (Exchangeable Image File Format). EXIF speichert technische Details über das Bild: das Kameramodell, Belichtungszeit, Blende, ISO und – entscheidend – die GPS-Koordinaten, wo das Foto aufgenommen wurde.
Wenn man ein Foto mit dem iPhone oder Android-Telefon aufnimmt, prüft das Gerät beim Drücken des Auslösers seinen GPS-Chip und schreibt Breiten- und Längengrad direkt in die Bilddatei. Das geschieht still im Hintergrund. Die Genauigkeit liegt im Freien typischerweise bei 5–10 Metern, kann aber in Innenräumen oder in dichten Stadtgebieten, wo GPS-Signale an Gebäuden reflektieren, weniger präzise sein.
Die Koordinaten werden in Grad, Minuten und Sekunden gespeichert – dasselbe Format wie in der traditionellen Navigation. Ein typischer EXIF-GPS-Eintrag sieht etwa so aus: 48 Grad 51 Minuten 24,11 Sekunden nördlicher Breite, 2 Grad 17 Minuten 37,20 Sekunden östlicher Länge. Diese Koordinate ist der Eiffelturm.
Nicht jedes Bild in der Kamera-Rolle enthält Standortdaten. Hier die Übersicht:
Auf dem iPhone dauert das etwa zwei Sekunden:
Bei Android: Foto in Google Fotos öffnen, auf das Drei-Punkte-Menü tippen und „Details" auswählen. Wenn GPS-Daten vorhanden sind, sieht man eine Karte und Koordinaten.
Für die Masseninspektion am Computer können Tools wie ExifTool (kostenlos, Kommandozeile) oder GeoSetter (kostenlos, Windows) GPS-Daten aus Tausenden von Fotos auf einmal auslesen.
Bevor man sich über das Kartieren von Reisen freut, sollte man verstehen, warum diese Daten auch ein Datenschutzproblem sind.
Wenn man ein Foto mit EXIF-GPS-Daten teilt, teilt man den genauen Standort zum Zeitpunkt der Aufnahme. Das hat reale Konsequenzen:
Jetzt der interessante Teil. Es gibt mehrere Ansätze, eine Karte aus Fotos zu erstellen, von vollständig manuell bis vollautomatisch.
Google My Maps (mymaps.google.com) ermöglicht die Erstellung eigener Karten mit Pins, Ebenen und Beschriftungen. Man kann manuell einen Pin für jede besuchte Stadt oder Sehenswürdigkeit setzen und nach Reise oder Jahr organisieren. Es ist kostenlos und teilbar, aber der Nachteil ist offensichtlich – man erledigt die gesamte Arbeit selbst. Bei 30.000 Fotos über 10 Jahre ist manuelles Setzen von Pins für jeden Standort nicht realistisch.
Beide haben integrierte Kartenansichten. In Apple Fotos: Alben > Orte, um eine Weltkarte mit Fotoclustern zu sehen. Google Fotos hat eine ähnliche Funktion unter Suchen > Karte. Diese funktionieren gut zum Browsen, geben aber keine saubere, teilbare Reisekarte. Sie sind auch an ihre jeweiligen Ökosysteme gebunden.
Mehrere Apps sind speziell dafür konzipiert, die Fotobibliothek zu scannen und automatisch eine Reisekarte zu erstellen. Sie lesen GPS-Koordinaten aus Fotos, identifizieren besuchte Länder und Städte und stellen alles auf einer Karte dar – normalerweise innerhalb von Minuten.
PhotoFlight verfolgt diesen Ansatz: Es scannt die vorhandene Fotobibliothek auf dem Gerät, extrahiert GPS-Daten und erstellt eine Karte der besuchten Länder und Städte. Da der Scan lokal auf dem Telefon stattfindet, verlassen Fotos und Standortdaten das Gerät nie.
Weitere Optionen sind Polarsteps (das Reisen in Echtzeit über GPS-Protokollierung verfolgt) und Been (das manuelles Abhaken von Ländern ermöglicht). Die richtige Wahl hängt davon ab, ob man vergangene Reisen aus vorhandenen Fotos kartieren oder zukünftige Reisen beim Entstehen verfolgen möchte.
Wenn die Fotobibliothek als genaues Reisedokument dienen soll, machen einige Gewohnheiten einen großen Unterschied:
Bei digitalen Fotos aus den frühen 2000ern fehlen GPS-Daten fast sicher. Verbraucherkameras hatten GPS erst im Smartphone-Zeitalter (ungefähr 2008–2010). Die alten DSLR- und Kompaktkamera-Fotos von der Thailand-Reise 2005 haben wahrscheinlich Daten und Kameraeinstellungen, aber keine Koordinaten.
Mit Tools wie GeoSetter oder HoudahGeo können alte Fotos retroaktiv mit GPS-Daten versehen werden. Es ist ein manueller Prozess – man schlägt nach, wo man an einem bestimmten Datum war und weist Koordinaten zu – aber für wichtige Reisen kann der Aufwand es wert sein.
Die Kamera-Rolle des Smartphones ist mehr als eine Bildersammlung. Es ist eine strukturierte Datenbank aller besuchten Orte, auf wenige Meter genau, auf die Sekunde zeitgestempelt. Ob man diese Daten nutzt, um eine schöne Reisekarte zu erstellen, ein Fotojournal zu erschaffen oder einfach vergangene Reisen zu genießen – das Rohmaterial liegt bereits in der Hosentasche. Man muss es nur anders betrachten.